2 Minuten Berlin


Ostkreuzzeit.
März 11, 2012, 3:44 nachmittags
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Als Schülerin habe ich davon geträumt, am Lette-Verein oder der Ostkreuzschule Fotografie zu studieren. Jetzt sitze ich hier, im Klassenraum der Ostkreuzschule in Berlin-Weißensee und lasse mich zur Bildredakteurin ausbilden. Es ist ein Ort aus vergangener Zeit, ein Hinterhof, in dem man die Kirche von gegenüber läuten und die Vögel zwitschern hört. Ich liebe es, in den Ecken alte Diaprojektoren und Boxen voller Schwarz-Weiß-Negative zu sehen, in den Regalen dicke, staubige Bildbände von Magnum & Co. Zum ersten Mal bin ich ganz in Berlin.



Vor lauter iPhones & Co.

Ich steige in die S-Bahn Richtung Hauptbahnhof ein, bin auf dem Weg zum O2-Shop. Eigentlich ist es nur eine Station, aber ich bin erschöpft (5 Stunden Scannen macht müde) und lasse mich auf einen Sitz fallen. Samsung Galaxy SII oder doch das Samsung Galaxy Nexus? Seit Tagen beschäftigt mich die Frage, welches Smartphone es sein soll. Vielleicht doch das Nexus trotz 5-Megapixel-Kamera? Oder lieber das Galaxy SII, was überall hochgelobt wird? Oder doch das iPhone? Oder ein ganz anderes??? Wie wäre es mit dem HTC? Viel zu viel Auswahl. Anscheinend beschäftigt nicht nur mich das Thema Smartphone. Zwei Plätze neben mir höre ich dumpf jemanden telefonieren: “…hat eine 8-Megapixel-Kamera. Das ist schon cool, wenn man Smartphone und Digitalkamera in einem kauft.
Ich wüsste gerne, über welches Modell er gerade spricht, vielleicht könnte er mir einen Rat geben.
Plötzlich werde ich aus meinen Gedanken gerissen, sehe aus den Augenwinkeln, wie der Telefonierer sich zu mir rüber beugt. “Schatz???”



Das Geheimis vom Violet Ray
November 26, 2011, 1:58 nachmittags
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Ich kann einen seltsamen Menschen riechen. Neben mir nimmt eine Person Platz, die ich noch nicht als Mann oder Frau identifizieren kann. Aber ich kann auf seine oder ihre Mappe schauen, die sie oder er kurz zur Brust zieht, als der Fahrgast mir gegenüber an ihm oder ihr vorbeiläuft. “What is the Violet Ray” steht auf dem dichtbeschriebenen Papier und “Why you should use the Violet Ray.” Ein Staubsauger? Ein Vibrator? Ein Saftmixer? Ich kann es kaum erwarten, google aufzurufen.



Sonntag auf berlinerisch
September 18, 2011, 8:35 nachmittags
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Am Wahlsonntag ist Auswanderwetter angesagt. Die Prenzlauer Allee ist eine einzige Pfützenveranstaltung. Trotz fehlender Benachrichtigung schlürfe ich zum Wahllokal. Zum ersten Mal Kreuzchen machen als Berlinerin und zum ersten Mal Schlange stehen vor den Kabinen. Einen kurzen Moment mich feierlich fühlen, dann ist schon wieder alles vorbei.Eine Stunde später am Boxhagener Platz, äh Verzeihung, ich als Berlinerin muss das ja Boxi nennen. Ein kleiner Flohmarkt, der heute aber Pech mit dem Wetter hat. Ein vornehmer Herr feilscht um Schuhspray. Auf dem Weg nach Hause lese ich in der Ringbahn in meinem Buch. Der Platz neben mir ist frei, bis ich aus den Augenwinkeln bemerke, dass sich ein Mann mit Hund neben mich setzt. Ich wundere mich etwas über seine Sprechweise mit dem Hund. Ich drehe meinen Kopf zu ihm und reiße die Augen auf: Neben mir sitzt ein Kakadu. Ob er wohl “Hallo Wowi” sagen kann?



Zu Besuch im Sternenhimmel.
August 27, 2011, 10:36 nachmittags
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Sterne soweit das Auge reicht. Ab und an eine flinke Schnuppe. Großer Bär und großer Wagen. Ein weißer Schleier. Funkeln immerzu. Mondgesicht mit Fleckenwangen. Die Stille spricht mit mir. Augen schließen, Nacht einatmen, die Welt bewundern. Bach, Vivaldi und John Williams. Sternensinfonie.
Goethe, Bachmann, Heinrich Heine. Galaxienfantasien.
Vor meinem inneren Auge eine Dorfszene, ich glaube, aus Die Schöne und das Biest. Warum, keine Ahnung.
Augen auf, Tasche schnappen, Melancholie einpacken und noch einmal in die Kuppel schauen, die nun nichts mehr anderes ist als das Dach des Planetariums.



Querbeet in zwei Minuten
Juli 24, 2011, 2:58 nachmittags
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Zum ersten Mal Energydrink, Fritz Cola Melone, Knödel und deutsche
Oper.
Keine Berliner in Meck-Pomm, die waren wohl alle am Wannsee.
Schreibe nun dramatische Fotostories und cremige Sommerrezepte.
Morgens Quak von Donald und Töröö von Benjamin Blümchen.
Seit Tagen darf ich meinen Regenschirm nicht vergessen und sehe
Frauen in kniehohen Stiefeln und Trenchcoat.
Im Penny ist mein Lieblingskassierer nicht mehr da…
Ansonsten wie immer 1000 Ideen und leckere Erdbeeren mit Joghurt.



Wie man den gesprächigsten Kassierer Berlins sprachlos macht
Juni 17, 2011, 11:15 vormittags
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Letzte Woche mal wieder Penny. Der Kunde vor mir kauft einen Sixpack Wasser.
Mein Lieblingskassierer:  “Oh, das ist aber ein sehr abwechslungsreicher Einkauf.”
Der wohl anabolikakonsumierende Kunde schweigt.
Ich kaufe TUC-Kekse light. Mein Lieblingskassierer:  “Hhhhm, Kekse ohne Geschmack.” Ich schweige. Mein Lieblingskassierer wieder voll in seinem Element. Gestern im Penny. Mein Lieblingskassierer hält kurz vor Feierabend ein Schwätzchen mit seinem gerade nach Hause gehenden Kollegen, erzählt, dass er gerade vom REWE abgeworben wird. Hinter mir keine Kunden.
Er zieht meinen Dosenkaffee über den Scanner. Dreht ihn nach dem Scannen hin und her. Ich will ihm den Kaffee aus den Händen reißen.
“Also der macht einen aber auch nicht richtig wach, wenn man müde ist.” Ich zögere einen kurzen Moment, sage dann: “Ich weiß, Sie meinen das nur nett, aber man muss ja auch nicht jeden Einkauf kommentieren.” Mein Lieblingskassierer schaut mich mit aufgerissenen Augen an und ist zum ersten Mal derjenige, der keine Worte findet.




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