2 Minuten Berlin


Erhöhte Bluthochdruckgefahr durch Handyhäuser.

Als ich das „Phone House“ betrete, schauen mich gleich sechs Augen sehr erwartungsvoll an.  Ich trage mein Anliegen der Jury vor, die rechteste der drei Personen fängt an, mich aufgeregt anzublubbern. Der linke Herr übernimmt meinen Fall. Ich kann mich kaum auf sein Gerede konzentrieren, weil die rechte Dame so laut vor sich hinflucht, dass mir mein Trommelfell ziemlich dünn vorkommt. „Boah, ey, unglaublich, jetzt ist schon wieder alles weg. Siehst du das? Einfach weg, diese Scheiße. Ich will nur die E-Mail-Adresse eingeben, da ist das einfach weg. Boah, das gibts doch gar nicht. So ein Mist. Einfach weg….“ Ihre zwei Kollegen tun mir wirklich leid. So geht das ungefähr 3 Minuten weiter. „Entschuldigung.“, raunt sie dem Kunden vor sich zu. „Aber das regt mich jetzt einfach so auf. Unglaublich oder?“ Der Herr nickt geduldig, auch wenn ihm der Wutanfall ebenso lächerlich vorkommen dürfte wie mir. Ich bin froh, dass mich mein Kundenberater berät. Zwischendrin quatscht die hysterische Dame natürlich auch bei unserem Gespräch immer wieder hinein. Auf dem Boden krabbelt ein Kleinkind vor mir hin und her. Der Vater schaut sich die neuesten Handys an.Ich nehme mir einen Kaffee vom Kaffeeautomaten neben den Nokia-, Samsung- und LG-Handys. Mir ist klar, warum es diesen Kaffeeautomaten dort gibt.



So so Sonntag.
Mai 31, 2010, 12:15 am
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Schatz, worüber soll ich heute meine 2 Minuten schreiben? Wir gehen meinen Tag durch. Über 2 Minuten länger als 2 Minuten reden. Nichts nichts nichts Außgerwöhnliches, nichts Schreibenswertes. Viel geschlafen, viel Sport gemacht, lange Bewerbungen geschrieben. Ich suche bei Google. Nichts Außergewöhnliches, nichts Schreibenswertes. Ein Kind in einem Schreibworkshop schrieb mal „Ich hab nur Krickelkrakel im Kopf. Ich hab nur Krickelkrakel im Kopf.“ Und das bestimmt 5 Minuten lang. Das Kind hatte wirklich nur Krickelkrakel im Kopf. Ich hab gerade wirklich nur Krickelkrakel im Kopf. Wenn ich bei YouTube Berlin eingebe, ist das erste Video Berlin-Neukölln (SPON) Teil 2 (nicht Teil1). Der zweite Treffer „Berlin Du bist so wunderbar“. Ja, Berlin, du bist so wunderbar, aber heute hast du mir irgendwie nichts besonderes zu bieten. In die Ecke mit dir, Krickel-Krakel-Berlin.



Zwischen Tacheles und Tucholsky.

Ich hatte schon ganz vergessen, welche Straßen man in Berlin nachts und vor allem Samstag nachts und alleine und als Frau  und mit einem Hula-Hoop-Reifen in der Hand, nicht entlang laufen sollte. Als Nicht-Berliner hat man da vielleicht die Alarmworte und -orte Neukölln und Wedding im Kopf, als Berliner weiß man zum Beispiel von der Oranienburger Straße. Es sind nicht die Frauen in Lack-Overknee-Stiefeln, Netzstrumpfhosen und Korsagen, die einen geduckt durch die Straße rennen lassen. Auch nicht ihre flüsternden Kunden, die so tun als ob sie nach dem Weg fragen würden. Sondern es sind die Widerlichkeiten und Prolligkeiten in Person, die beim Anblick eines Hula-Hoop-Reifens „Ja, das ist doch so wie beim Ficken. Immer schön die Hüfte vor und zurück.“ schreien und sich wegen des Spruches noch unwiderstehlicher finden als sowieso schon. Zwischen Boutiquen, Theatern und Cocktailbars sehne ich mich danach, jedem ekelhaften Sprücheklopfer mit meinem Reifen auf den Kopf zu hauen. Als ich in die S-Bahn an der Oranienburger-Straße steige, senke ich meine Schultern und kann mein Glück kaum fassen.



Was wäre ohne wenn
Mai 29, 2010, 12:29 am
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Wenn man von einem Softeisautomaten angesprochen werden will, fährt man nach Berlin-Friedenau. Ich bin ein kleiner Softeisautomat oder so ähnlich. Wenn man geröstete Sojahälften oder 0,1%-Milch braucht, fährt man zum Real am Gesundbrunnen, um sich dazu gratis von Rentnern anpöbeln zu lassen, wenn man ihnen die heruntergefallene Brieftasche reicht. Wenn man Interesse an Poesie hat, besucht man das Poesiefestival in der Akadmie der Künste. Wenn man einen Mittelformatfilm entwickeln lassen will, geht man zu Foto Meyer am Viktoria-Luise-Platz statt zu Rossmann. Wenn man um 23 Uhr Lust auf kalten Kaffee in der Dose hat, geht man noch mal schnell um die Ecke zum Spätshop. Wenn man um 2 Uhr nachts noch ein Bahnticket ausdrucken muss, nimmt man Vorlieb mit dem unfähigen Internetcafétypen. Wenn man einen schlechten Tag hat und auch so aussieht, braucht man kaum Befürchtungen zu haben, zufällig einen Bekannten zu treffen. Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre, hätte ich heute keine Idee für einen 2-Minuten-Text gehabt.



Die Bahn macht kollektiv.
Mai 27, 2010, 10:51 pm
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Wir begrüßen auch die zugestiegenen Gäste hier in der Autostadt Wolfsburg.
Lust auf ein kühles Feierabendbier? Wir haben in diesem Zug auch einen Speisewagen. Sollten sie Hunger oder Durst verspüren, sind Sie genau richtig dort. Vermisst jemand seinen Schlüssel, seinen Haustürschlüssel? Vermisst jemand sein Handy? Ich bin gerade eingenickt, da boxt mich eine streng dreinschauende Zugbegleiterin an die Schulter. Wie konnte ich es nur wagen, wegzudösen? Ich reiche ihr verwirrt meine Fahrkarte. Auf die Idee, mir wie mein Nachbar die Karte an einem Band um den Hals zu hängen, bin ich leider noch nie gekommen. Bei dem Aufruf bezüglich Schlüssel und Handy hab ich natürlich hektisch in meinen Taschen gekramt. Der Herr vor mir schaut sich Videos von Bauarbeiten und Kränen auf dem Laptop an und lächelt dabei vor sich hin. Der nächste Halt ist Berlin-Spandau. Wir verabschieden uns von den Gästen, die dort aussteigen. Komischerweise habe ich heute ein ungewohntes Wir-Gefühl. Woran das wohl liegen könnte?



Bild-Berlin.
Mai 26, 2010, 10:51 pm
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Deichgraf Platzeck bricht Urlaub ab. Naturschützer: Kyritz-Ruppiner Heide als Naturerbe.  Der inszenierte Friedensschluss der Rockerbanden Hells Angels und Bandidos hat nach Einschätzung der Berliner Polizei keine lange Dauer. Die Drogenhändler in Berlin werden nach einem Fernsehbericht immer mehr und immer jünger. In Berlin ist erneut eine Weltkriegsbombe entdeckt worden. Hure mit einem Bein. Was zwingt diese Frau auf den Strich? 1 Million bei Berlins größter Samba-Sause. Rentner baut DDR- Grenzzaun wieder auf. Fast acht Millionen Zuschauer sahen am Pfingstmontagabend den Berliner Tatort. Bin nicht in Berlin. Aber dank Bild im Bilde.



Gute Nacht Gammeltag.
Mai 25, 2010, 10:51 pm
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Ich war heute so gut wie den ganzen Tag zu Hause und hatte überhaupt keine Lust rauszugehen. Zum einen tut mir immer noch mein ganzer Körper vom Hula Hoop weh und zum anderen habe ich einen Tag frei gebraucht, bevor es morgen bzw. nachher wieder auf Reisen geht. Interessanterweise habe ich das Reisen nach Mainz das ganze Jahr über noch nie als so nervig empfunden wie die letzten Wochen, bevor ich dann im Juli komplett in Berlin bin. Eigentlich wäre ich ja schon heute gefahren, aber naja, wie gesagt brauchte ich nen freien Tag und muss auch erst morgen wieder zur Stelle sein. So, jetzt werde ich noch ein paar Stunden die Äuglein schließen und von unserer Juni-Deutschlandreise träumen. Freiwillig reisen, was für ein Luxus.