2 Minuten Berlin


Soziales S-Bahnfahren.
August 25, 2010, 9:41 pm
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In den letzten Tagen habe ich zugegebenermaßen die 2-Minuten ziemlich verdrängt.
Doch heute in der S-Bahn drängten sie sich mir quasi auf.
So eine S-Bahn kann ja schon eine sehr gute Übung sein, um mal die eigenen Bedürfnisse zu äußern und durchzusetzen.
Als ich mich auf einen freien Platz setzen will, sind mir ein paar Beine im Weg. Die auch im Weg bleiben, obwohl ich schon so gut wie auf dem Sitz hocke. Ich funkle das überaus höflich dreinschauende junge Fräulein böse an, sie macht keine Anstalten, sich irgendwie ein bisschen zu rühren. „Ähm, Entschuldigung?“ Ok, ich muss das Artikulieren von Bedürfnissen doch noch etwas üben. Ganz langsam bewegt sich was. IhrFreund hat die Arme um sie gelegt, sie schaut trotzig zum Fenster hinaus. Er säuselt ihr zu, das alles nicht so gemeint war. Ich stoße ganz ausversehen gegen ihre bestimmt hochversicherten Beine. Sie zieht sie etwas zurück, aber glaubt, sehr wichtig dabei zu wirken. Ich steige aus der Bahn und nehme mir vor, das nächste Mal Kaffee parat zu haben.



Ein Fall für Freud (oder: Sitzung in der Kastanienallee)

Wir sitzen bei Ipanema, Latte und Apfelsaft in der Kastanienallee und reden über „Mahler auf der Couch“, den wir gerade im Kino geschaut haben. Ein junger Weltfremder gesellt sich zu uns an den Tisch und fragt, ob wir Interesse an einer Zeitung hätten. Wir machen ihm schnell klar, dass kein Interesse besteht, aber er lässt nicht so schnell locker. Ich frage mich, ob er Zeitungen oder die Bibel verkauft. Am Nachbartisch ein Dreiergespann, das wohl Feierabend nach der Arbeit im Tätowierstudio hat und so laut lacht, dass unsere Gläser auf dem Biertisch wackeln. „Bombenstimmung hier“ sagt meine Mainzer Freundin. Hinter mir hören wir plötzlich ein Reißen, etwas fällt zu Boden, wir drehen uns um und sehen auf dem Asphalt ein Plakat liegen. Wir brauchen einen Moment, um zu begreifen, dass das Plakat aber nicht einfach so zu Boden gefallen ist. Ein hochgewachsener Mann, der nun zielstrebig die Straße weiterläuft, hatte wohl was gegen das Plakat, welches auf einem Stromkasten klebte. „Summer Vibes Festival“ ist darauf zu lesen. „Wohl eine neue Art der Therapie“ sagt ein Herr am Nachbartisch.



Berliner Busfahrer.
August 1, 2010, 4:24 pm
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Der Busfahrer lächelt mich freundlich an, als ich ihm beim Einsteigen meine Fahrkarte hinhalte. „Was für ein netter Busfahrer“ denke ich. Ein paar Minuten Fahrt vergehen, plötzlich kommt der Bus zum Halten. Ich stehe mit dem Rücken zur Frontscheibe, höre Gebrüll, drehe mich um, sehe den Busfahrer, einen Kleinbus und dessen Fahrer.
Der Busfahrer steigt wieder ein. „Boah, scheiß Ossis. Fahren wie die Fotzen. Zieht die Mauer bitte wieder hoch.“ Ich glaube, nicht richtig zu hören oder an einen schlechten Scherz. Aber es geht weiter, allen Ernstes. „Das gibts doch nicht. Scheiß Ossis, können nicht fahren. Wie die Fotzen sag ich. Die Mauer muss wieder hoch.“ Ich bin verwirrt, muss mich daran erinnern, dass ich gerade in einem Berliner Bus mitfahre. Andere Fahrgäste schauen mich an, ein Schmunzeln auf dem Gesicht. Mir ist nicht nach Schmunzeln zumute.