2 Minuten Berlin


Plastiktüten und andere Peinlichkeiten
November 20, 2010, 1:01 am
Filed under: Uncategorized | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , ,

Meine Ätzende-Kunden-Alarmglocken läuten, als das Paar Mitte 30 vor meiner Kasse steht. Ich bin froh, dass ich alle Bücher ohne Probleme eingescannt habe. Nur noch bezahlen, eintüten, dann weg. Tja, zu früh gefreut. Ich frage „Eine Tüte für Sie?“, die Frau antwortet „Ja, bitte“, der Mann „Nein, danke.“ Oh oh. „Wir brauchen doch keine Tüte. Wir haben so viele Plastiktüten zu Hause. Und außerdem: Bücher haben doch auch eine Haptik, man kann doch nicht schöne Bücher in so hässliche Plastiktüten stecken!“ weiß der Mann mit Brille im Wayfarer Style. Die Frau nickt. „Naja stimmt, hast recht.“
„Also wirklich, meinen Sie nicht auch, dass Bücher eine Haptik haben und nicht in eine Plastiktüte gehören?“ Ich weiß nur „Naja, jeder wie ers mag.“ zu antworten. Der Mann kriegt sich nicht ein. „Das ist so wie wenn man ein Kondom überstülpt und nicht zum Orgasmus kommt.“ Ich denke daran, dass das „fremdschämen“ manchmal ein wunderbar treffendes Wort ist. „Ist ja jetzt gut, Christian.“ entgegnet die Frau, sichtlich verlegen. Die beiden nehmen ihre Ware, laufen zum Ausgang. Die Frau dreht sich noch einmal um zu mir, lächelt mich an. Ich suche nach der versteckten Kamera.

Advertisements


Lächeln, wenns nicht zum Schreien reicht…

Seit zwei Wochen bin ich nebenbeinebenbei wieder im Einzelhandel an der Kasse beschäftigt. Und wie sehr habe ich doch manche Kunden vermisst. Zum Beispiel die, die bei einem falschen Preis „Och, ich nehms auch so“ oder „Ich nehms auch umsonst“ kontern und sich für phänomenal witzig halten. Oder die, die glauben, dass man als Kassiererin einfach alles wissen muss. Oder die einen von der Seite anquatschen, wenn gerade ungefähr 1000 Leute Schlange stehen. Oder die, die unbedingt selbst die EC-Karte in das Gerät schieben müssen und keine Ahnung davon haben. Und ich liebe auch diejenigen, die für ihre 1-Euro-Ware unbedingt einen Kassenzettel brauchen. Ach, Einzelhandel, wie sehr habe ich dich vermisst!



Die Sache mit der Diskretion.
November 7, 2010, 12:25 am
Filed under: Uncategorized | Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

Ich gehe mit meinen Büchern zur Kasse. „Oh, das hab ich auch gelesen, das ist einfach Wahnsinn das Buch.“ schwärmt der Kassierer.
Ich stehe neben meinem Freund an der Spätshopkasse. Er bezahlt seinen Schokoriegel. „Und für die Dame darfs nichts sein?“ Die Kassiererin lächelt uns freundlich an.
Ich bezahle meine CD im Mediamarkt. „Die CD hab ich auch, die liebe ich.“ kommentiert die Dame an der Kasse.
Ich probiere einen Pullover an. Eine Mitarbeiterin eilt zu mir. „Die Farbe steht ihnen ja fantastisch.“
Ich mag Menschen. Und ich habe meistens nichts zu befürchten. Aber in solchen Momenten will ich am liebsten nie wieder einkaufen gehen.



Das ist Berlin.
November 5, 2010, 1:30 am
Filed under: Uncategorized | Schlagwörter: , , , , , , ,

Gerade hatte ich mir überlegt, über die Plakate zu schreiben, die hier in Berlin im Moment an jeder Ecke kleben, da werde ich von Facebook auf eine Gruppe zu der Kampagne aufmerksam gemacht.
Das ist Berlin: „Wenn’s härter gesagt als gemeint ist.“,“Wenn die Stadt für immer ein Teil von dir ist.“, „Wenn’s 300 Damen vom Grill sind“ und mein absoluter Lieblingsslogan „Wenn eine Familie nicht aussehen muss wie eine Familie.“
Ich hätte ja so Schlagworte wie Heimat und Lebensgefühl erwartet, aber dieser grandiose Einfallsreichtum haut mich einfach um. Mir würden da auch ein paar Sprüche einfallen. Wie wärs mit „Berlin ist, wenn man trotzdem lacht.“ oder „Berlin ist, wenn du Schrippen kaufst. “ oder nein, ich hab’s: „Berlin ist, wenn du Morgenpost liest.“ (oh, sogar ein unreiner Reim! )



Warum ich gegen ein Handyverbot im Bordrestaurant bin.
November 1, 2010, 11:12 pm
Filed under: Uncategorized | Schlagwörter: , , , , , , , ,

Ich sitze zum ersten Mal seit langem im Bordrestaurant und denke bei einer kühlen Milch über die letzten Tage in Mainz nach. Neben mir sitzt eine junge Frau, die beim Ober ihre Nudeln bestellt und danach zum Handy greift.
Der Ober kommt zurück, zeigt auf ein Schild mit Handyverbotszeichen, die Frau ignoriert das Zeichen,
der Ober geht, sie schmeißt das Schild um und flüstert weiter ins Handy. Der Zug kommt zum Stehen,
eine Durchsage folgt, ein Güterzug vor uns ist liegengeblieben.
Eine andere Frau in den Mittvierzigern hinter mir springt sofort auf und donnert los. Es ist eine von denen,
die jetzt einen Stuhl zum Hinschmeißen bräuchte. Sie fragt den Ober nach dem Betriebsabteil und will wissen, wie lange wir jetzt noch stehen werden, damit sie eventuell noch einen Rotwein bestellen würde. Der Ober tut mir leid, die Frau fängt an, mit einem anderen Reisenden zu liebäugeln. Sie findet Bahngespräche glaub ich sexy. Meine Gedanken an Mainz haben keine Chance gegen ihre Penetranz. Wo ist das Redeverbotszeichen?