2 Minuten Berlin


Weiße Dunkelheit.
Dezember 29, 2010, 8:07 pm
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Ich sitze in der Wohnung mit heruntergelassenen Rolladen, weil ich den Schnee nicht sehen will, der ganz Berlin zu einer weißen Qual macht. Ich weiß, dass es draußen dunkel ist, aber ich will auch die Dunkelheit nicht sehen. In der Wohnung neben uns mag jemand Die Ärzte sehr. Ich nehme den Hammer aus dem Werkzeugkoffer, der neben mir steht und klopfe gegen die Wand. Besonders kräftig ist der Schlag nicht, aber es reicht, damit die Musik verstummt. Ich versuche mich auf das Schreiben meiner Abschlussarbeit zu konzentrieren, aber so ganz will es nicht funktionieren. Meine Finger sind steif vom Schälen der kalten Apfelsine, die ich vorhin beim Spätshop gekauft hab. Bei Facebook Jahresrückblickscollagen und die Frage, welcher Schauspieler einen spielen würde, wenn das eigene Leben verfilmt werden würde. Ich lese und schreibe ein paar Kommentare, mal hier mal da, stelle mir vor, die Kommentare einfach als Einleitung zur Diplomarbeit zu verwenden. Wäre doch viel unterhaltsamer und medienpädagogisch noch dazu.

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U-Bahn-Entertainment in eisigen Zeiten.
Dezember 20, 2010, 7:30 pm
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Es ist sehr ruhig in der U-Bahn. Jeder brütet seinen Ärger über den Winter mit sich selbst aus und will einfach nur an sein Ziel. Umso besser ist das Telefonat einer jungen Dame zu hören. „Ey, du bist ja ne richtige Schlampe, ey. Ha ha. Boah, der hat so nen richtig geilen Sixpack und so krasse blaue Augen, boah, ey, ich hab kein Bock ey, die Alte soll mal zu Haus bleiben, ich hau der in die Fresse.“ Neben mir Gekicher eines Studenten. Ich versuche mir das Lachen zu verkneifen, aber es will nicht so richig funktionieren. „Ey, weißte was, die hören dich hier alle durch das Handy, weil du so laut redest, dass es jeder mitkriegt. Die lachen alle schon, weil die dich hören. Wie peinlich. Red ma leiser.“ Wir müssen noch mehr lachen. Die Bahn ruckelt die letzten Metter auf den Rosa-Luxemburg-Platz zu. Ich steige aus. Und höre noch lange das Wort Schlampe über den Bahnsteig hallen.



Endspurt.

Berlin steht noch. Nein, es rennt. Glühweinatem, Lebkuchenherzen mit „Ich liebe dich“ und „Für meinen Schatz“. Driving home for Christmas. Kuscheln in der Tram. Tütenrascheln überall. Verkaufsoffene Sonntage, Heizungsluft, trockenes Husten, strickende Mittzwanziger. Fröbelsterne an den Plastikbäumen, kleine Schwarze in den Schaufenstern, Gutscheinkarten auf die Schnelle, der Schlitten als neues Nahverkehrsmittel. Im Bastelbedarf konzentrierte Mimiken, in den Einkaufskörben bunte Perlen, Tonkarton. Noch 9 Tage bis zum Ziel.