2 Minuten Berlin


Zu Besuch bei Pocher und Co.
April 18, 2011, 8:29 pm
Filed under: Uncategorized | Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

Ich betrete das Fabrikgebäude. Ungutes Gefühl. Vier Stockwerke nach oben, ein dunkles Treppenhaus mit unverputzten Treppen, kein Lichtschalter. Der 20-jährige „Team Assistent“ begrüßt mich. Baggyjeans, rot-tannengrün-karierte Unterhose, hochgegelte Haare, alles was dazugehört. Kurzes Gespräch, dann an die Arbeit. Ein Großraumbüro, Tischkante an Tischkante, Plastikstuhl an Plastikstuhl, beim Blick aus dem Fenster nichts als mausgraue Wände.
Im Büro zwei Bereiche: auf der einen Seite das Jugendmagazin, für das ich heute arbeite, auf der anderen ein bekanntes deutsches Promiklatschblatt. Die Prominews werden durch den Raum gebrüllt. Hast du schon gehört, der Schreyl ist schwul!
Alle zwei Minuten rennt jemand zu einem Termin außer Haus. Erwartet wird bei meiner Stelle „Hoher Arbeitseinsatz und die Bereitschaft für DIE Story auch ausserhalb der normalen Arbeitszeiten aktiv zu sein“. Also Arbeitszeit 10 bis 19 Uhr plus DIE Story. Ich stelle mir Samstagabende mit Oliver Pocher, Hella von Sinnen und Nena vor. Um 18 Uhr kann ich die Fabrik verlassen, habe meine vier Probeartikel geschrieben. Der Redakteur war begeistert. Wahrscheinlich hätte ich ihm genausogut ein Käsekuchenrezept vorlegen können.



Mainstreamhippies im Mauerpark

Wohin das Auge reicht, Pluderhose, Stirnbänder, Batikshirts und…sehr viele Atomkraft, nein danke-Buttons. Abflussrohr-Musiker, Menschen in rosa-Kaninchen-Plüschkostüm, bannermalende Rebellen und dazwischen ein paar glotzende Neukölln-Verirrte. Mittendrin alternative Bands, deren Bandleader aussehen wie Sebastian aus dem Schulchor.
Würstchenrauch und Schneidersitz, wenig Wiese frei im Mauerpark. Auf der rechten Seite Flohmarkt, auf der linken in der Max-Schmeling-Halle letzter Tag der Turn-EM. Wohnwagen fehlen und echte Lockerheit auch. Schnell durch die Massen schlängeln und aufpassen, kein Iphone auf Picknickdecke zu zertreten. In meiner Gedankenblase unser Balkon zum Hinterhof und originale Coca Cola.



MalPause am Kotti.
April 2, 2011, 11:24 am
Filed under: Uncategorized | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , ,

Stille im Atelier. Es riecht nach allen Farben. Die anderen sind zum Mittagessen weg. Ich liebe diese Ruhe, male ab und an noch ein paar Pinselstriche. Buchdruckerei Otto Schneider steht am Schild an der Tür. Ich fühle mich wie in der Gutenberg-Druckerei in Mainz. Überall Druckwalzen, Setzkästen und Lettern. Zeichen einer vergangenen Zeit. Am Fenster eine Leine, an der bedruckte Kalenderblätter an Wäscheklammern hängen. Auf den Tischen verschiedenste Tuben, Pinsel, Joghurtbecher und unfertige Bilder. Gleich kommen die anderen zurück, werden den Trubel vom Kottbusser Tor mitbringen.  Noch ein paar Minuten Terpentingeruch für mich alleine.



Willkommen zurück in Berlin.
April 1, 2011, 1:35 pm
Filed under: Uncategorized | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , ,

Der erste 2-Minuten-Text diesen Frühling. Das erste Mal Fensterputzen. Papierkram ausmisten. Der erste VHS-Kurs meines Lebens. Zum ersten Mal rausgehen ohne schlechtes Gewissen. Die ersten Sonnenstrahlen genießen. Zum ersten Mal seit Monaten zum Sport gehen, aus dem Fenster schauen, sich über die Helligkeit draußen freuen und mit dem Tag anfangen, was man will. Nachher vielleicht spazieren im Treptower Park. Eine kühle Cola trinken, auf die Spree schauen und Max Frisch lesen.