2 Minuten Berlin


Vor lauter iPhones & Co.

Ich steige in die S-Bahn Richtung Hauptbahnhof ein, bin auf dem Weg zum O2-Shop. Eigentlich ist es nur eine Station, aber ich bin erschöpft (5 Stunden Scannen macht müde) und lasse mich auf einen Sitz fallen. Samsung Galaxy SII oder doch das Samsung Galaxy Nexus? Seit Tagen beschäftigt mich die Frage, welches Smartphone es sein soll. Vielleicht doch das Nexus trotz 5-Megapixel-Kamera? Oder lieber das Galaxy SII, was überall hochgelobt wird? Oder doch das iPhone? Oder ein ganz anderes??? Wie wäre es mit dem HTC? Viel zu viel Auswahl. Anscheinend beschäftigt nicht nur mich das Thema Smartphone. Zwei Plätze neben mir höre ich dumpf jemanden telefonieren: „…hat eine 8-Megapixel-Kamera. Das ist schon cool, wenn man Smartphone und Digitalkamera in einem kauft.
Ich wüsste gerne, über welches Modell er gerade spricht, vielleicht könnte er mir einen Rat geben.
Plötzlich werde ich aus meinen Gedanken gerissen, sehe aus den Augenwinkeln, wie der Telefonierer sich zu mir rüber beugt. „Schatz???“



Lichterfelde, Lichtenrade, Luckenwalde…äh, wo die Haltestellen „Hochhaus“ heißen.
Januar 11, 2011, 8:27 pm
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Hinter mir höre ich den Klingelton meines allerersten Handys. Nokia 6110. Ich schaue mir die Busfahrpläne an. Der nächste in fast einer Stunde. Wäre ja auch alles zu einfach gewesen. „Provisionsfrei zu verkaufen“-Schilder vor den kahlen Schrebergärten. Ich suche einen Bankautomaten. Natürlich vergeblich. Nur ein einsamer LIDL, in dem ich mir etwas zu trinken kaufen will.  Die Wasserflaschen stehen wie fein säuberlich aufgestellte Bowling-Kegel da. Die Kassiererin erwartet mich schon. Ich gehe zurück zum Bahnhof, setze mich in den Bus, der ein Reisebus für Kaffeefahrten sein könnte und befürchte beim Zischen meiner Flasche einen bösen Blick vom Busfahrer. Nächste Station „Hochhaus“. Ich schaue aus dem Fenster, kein Hochhaus in Sicht. Ich steige aus. Laufe an einem Tattoo-Studio vorbei. Im Schaufenster verblasste Bilder von geflügelten Herzen und keltischen Ornamenten. Ich will mich versichern, auf dem richtigen Weg zu sein. „Kein gültiges GPS-Signal.“ ist auf dem Bildschirm zu lesen.



U-Bahn-Entertainment in eisigen Zeiten.
Dezember 20, 2010, 7:30 pm
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Es ist sehr ruhig in der U-Bahn. Jeder brütet seinen Ärger über den Winter mit sich selbst aus und will einfach nur an sein Ziel. Umso besser ist das Telefonat einer jungen Dame zu hören. „Ey, du bist ja ne richtige Schlampe, ey. Ha ha. Boah, der hat so nen richtig geilen Sixpack und so krasse blaue Augen, boah, ey, ich hab kein Bock ey, die Alte soll mal zu Haus bleiben, ich hau der in die Fresse.“ Neben mir Gekicher eines Studenten. Ich versuche mir das Lachen zu verkneifen, aber es will nicht so richig funktionieren. „Ey, weißte was, die hören dich hier alle durch das Handy, weil du so laut redest, dass es jeder mitkriegt. Die lachen alle schon, weil die dich hören. Wie peinlich. Red ma leiser.“ Wir müssen noch mehr lachen. Die Bahn ruckelt die letzten Metter auf den Rosa-Luxemburg-Platz zu. Ich steige aus. Und höre noch lange das Wort Schlampe über den Bahnsteig hallen.



Warum ich gegen ein Handyverbot im Bordrestaurant bin.
November 1, 2010, 11:12 pm
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Ich sitze zum ersten Mal seit langem im Bordrestaurant und denke bei einer kühlen Milch über die letzten Tage in Mainz nach. Neben mir sitzt eine junge Frau, die beim Ober ihre Nudeln bestellt und danach zum Handy greift.
Der Ober kommt zurück, zeigt auf ein Schild mit Handyverbotszeichen, die Frau ignoriert das Zeichen,
der Ober geht, sie schmeißt das Schild um und flüstert weiter ins Handy. Der Zug kommt zum Stehen,
eine Durchsage folgt, ein Güterzug vor uns ist liegengeblieben.
Eine andere Frau in den Mittvierzigern hinter mir springt sofort auf und donnert los. Es ist eine von denen,
die jetzt einen Stuhl zum Hinschmeißen bräuchte. Sie fragt den Ober nach dem Betriebsabteil und will wissen, wie lange wir jetzt noch stehen werden, damit sie eventuell noch einen Rotwein bestellen würde. Der Ober tut mir leid, die Frau fängt an, mit einem anderen Reisenden zu liebäugeln. Sie findet Bahngespräche glaub ich sexy. Meine Gedanken an Mainz haben keine Chance gegen ihre Penetranz. Wo ist das Redeverbotszeichen?



Paradies Potsdam
Juni 8, 2010, 1:41 am
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Normalerweise bin ich nicht besonders anfällig für Idylle, aber als ich heute mit dem Bus durch Potsdam fuhr, musste ich an mich halten, um nicht ständig laut zu seufzen. Vorbei an unzähligen Seen, roten Backsteinhäusern, an der Orangerie im Park Sanssouci und urigen Cafés, kann man auch als Großstadtfan verstehen, warum Günter Jauch sich hier niedergelassen hat. Beim Skaten durch den Volkspark kam ich mir fast spießig vor, weil die Blumen, Fontänen und Golfplätze eine beruhigende Wirkung auf mich hatten. Auf dem Weg zurück nach Berlin fällt mir ein, dass ich die ganze Zeit über kein einziges Mal auf mein Handy geschaut habe. Ich weiß nicht, wann das zum letzten Mal vorkam.



Erhöhte Bluthochdruckgefahr durch Handyhäuser.

Als ich das „Phone House“ betrete, schauen mich gleich sechs Augen sehr erwartungsvoll an.  Ich trage mein Anliegen der Jury vor, die rechteste der drei Personen fängt an, mich aufgeregt anzublubbern. Der linke Herr übernimmt meinen Fall. Ich kann mich kaum auf sein Gerede konzentrieren, weil die rechte Dame so laut vor sich hinflucht, dass mir mein Trommelfell ziemlich dünn vorkommt. „Boah, ey, unglaublich, jetzt ist schon wieder alles weg. Siehst du das? Einfach weg, diese Scheiße. Ich will nur die E-Mail-Adresse eingeben, da ist das einfach weg. Boah, das gibts doch gar nicht. So ein Mist. Einfach weg….“ Ihre zwei Kollegen tun mir wirklich leid. So geht das ungefähr 3 Minuten weiter. „Entschuldigung.“, raunt sie dem Kunden vor sich zu. „Aber das regt mich jetzt einfach so auf. Unglaublich oder?“ Der Herr nickt geduldig, auch wenn ihm der Wutanfall ebenso lächerlich vorkommen dürfte wie mir. Ich bin froh, dass mich mein Kundenberater berät. Zwischendrin quatscht die hysterische Dame natürlich auch bei unserem Gespräch immer wieder hinein. Auf dem Boden krabbelt ein Kleinkind vor mir hin und her. Der Vater schaut sich die neuesten Handys an.Ich nehme mir einen Kaffee vom Kaffeeautomaten neben den Nokia-, Samsung- und LG-Handys. Mir ist klar, warum es diesen Kaffeeautomaten dort gibt.



Die Bahn macht kollektiv.
Mai 27, 2010, 10:51 pm
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Wir begrüßen auch die zugestiegenen Gäste hier in der Autostadt Wolfsburg.
Lust auf ein kühles Feierabendbier? Wir haben in diesem Zug auch einen Speisewagen. Sollten sie Hunger oder Durst verspüren, sind Sie genau richtig dort. Vermisst jemand seinen Schlüssel, seinen Haustürschlüssel? Vermisst jemand sein Handy? Ich bin gerade eingenickt, da boxt mich eine streng dreinschauende Zugbegleiterin an die Schulter. Wie konnte ich es nur wagen, wegzudösen? Ich reiche ihr verwirrt meine Fahrkarte. Auf die Idee, mir wie mein Nachbar die Karte an einem Band um den Hals zu hängen, bin ich leider noch nie gekommen. Bei dem Aufruf bezüglich Schlüssel und Handy hab ich natürlich hektisch in meinen Taschen gekramt. Der Herr vor mir schaut sich Videos von Bauarbeiten und Kränen auf dem Laptop an und lächelt dabei vor sich hin. Der nächste Halt ist Berlin-Spandau. Wir verabschieden uns von den Gästen, die dort aussteigen. Komischerweise habe ich heute ein ungewohntes Wir-Gefühl. Woran das wohl liegen könnte?