2 Minuten Berlin


Wie man den gesprächigsten Kassierer Berlins sprachlos macht

Letzte Woche mal wieder Penny. Der Kunde vor mir kauft einen Sixpack Wasser.
Mein Lieblingskassierer:  „Oh, das ist aber ein sehr abwechslungsreicher Einkauf.“
Der wohl anabolikakonsumierende Kunde schweigt.
Ich kaufe TUC-Kekse light. Mein Lieblingskassierer:  „Hhhhm, Kekse ohne Geschmack.“ Ich schweige. Mein Lieblingskassierer wieder voll in seinem Element. Gestern im Penny. Mein Lieblingskassierer hält kurz vor Feierabend ein Schwätzchen mit seinem gerade nach Hause gehenden Kollegen, erzählt, dass er gerade vom REWE abgeworben wird. Hinter mir keine Kunden.
Er zieht meinen Dosenkaffee über den Scanner. Dreht ihn nach dem Scannen hin und her. Ich will ihm den Kaffee aus den Händen reißen.
„Also der macht einen aber auch nicht richtig wach, wenn man müde ist.“ Ich zögere einen kurzen Moment, sage dann: „Ich weiß, Sie meinen das nur nett, aber man muss ja auch nicht jeden Einkauf kommentieren.“ Mein Lieblingskassierer schaut mich mit aufgerissenen Augen an und ist zum ersten Mal derjenige, der keine Worte findet.



Plastiktüten und andere Peinlichkeiten
November 20, 2010, 1:01 am
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Meine Ätzende-Kunden-Alarmglocken läuten, als das Paar Mitte 30 vor meiner Kasse steht. Ich bin froh, dass ich alle Bücher ohne Probleme eingescannt habe. Nur noch bezahlen, eintüten, dann weg. Tja, zu früh gefreut. Ich frage „Eine Tüte für Sie?“, die Frau antwortet „Ja, bitte“, der Mann „Nein, danke.“ Oh oh. „Wir brauchen doch keine Tüte. Wir haben so viele Plastiktüten zu Hause. Und außerdem: Bücher haben doch auch eine Haptik, man kann doch nicht schöne Bücher in so hässliche Plastiktüten stecken!“ weiß der Mann mit Brille im Wayfarer Style. Die Frau nickt. „Naja stimmt, hast recht.“
„Also wirklich, meinen Sie nicht auch, dass Bücher eine Haptik haben und nicht in eine Plastiktüte gehören?“ Ich weiß nur „Naja, jeder wie ers mag.“ zu antworten. Der Mann kriegt sich nicht ein. „Das ist so wie wenn man ein Kondom überstülpt und nicht zum Orgasmus kommt.“ Ich denke daran, dass das „fremdschämen“ manchmal ein wunderbar treffendes Wort ist. „Ist ja jetzt gut, Christian.“ entgegnet die Frau, sichtlich verlegen. Die beiden nehmen ihre Ware, laufen zum Ausgang. Die Frau dreht sich noch einmal um zu mir, lächelt mich an. Ich suche nach der versteckten Kamera.



Lächeln, wenns nicht zum Schreien reicht…

Seit zwei Wochen bin ich nebenbeinebenbei wieder im Einzelhandel an der Kasse beschäftigt. Und wie sehr habe ich doch manche Kunden vermisst. Zum Beispiel die, die bei einem falschen Preis „Och, ich nehms auch so“ oder „Ich nehms auch umsonst“ kontern und sich für phänomenal witzig halten. Oder die, die glauben, dass man als Kassiererin einfach alles wissen muss. Oder die einen von der Seite anquatschen, wenn gerade ungefähr 1000 Leute Schlange stehen. Oder die, die unbedingt selbst die EC-Karte in das Gerät schieben müssen und keine Ahnung davon haben. Und ich liebe auch diejenigen, die für ihre 1-Euro-Ware unbedingt einen Kassenzettel brauchen. Ach, Einzelhandel, wie sehr habe ich dich vermisst!



Die Sache mit der Diskretion.
November 7, 2010, 12:25 am
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Ich gehe mit meinen Büchern zur Kasse. „Oh, das hab ich auch gelesen, das ist einfach Wahnsinn das Buch.“ schwärmt der Kassierer.
Ich stehe neben meinem Freund an der Spätshopkasse. Er bezahlt seinen Schokoriegel. „Und für die Dame darfs nichts sein?“ Die Kassiererin lächelt uns freundlich an.
Ich bezahle meine CD im Mediamarkt. „Die CD hab ich auch, die liebe ich.“ kommentiert die Dame an der Kasse.
Ich probiere einen Pullover an. Eine Mitarbeiterin eilt zu mir. „Die Farbe steht ihnen ja fantastisch.“
Ich mag Menschen. Und ich habe meistens nichts zu befürchten. Aber in solchen Momenten will ich am liebsten nie wieder einkaufen gehen.